März 2025, GL-Meeting. Mir ist flau im Magen.

Ich teile der gesamten Geschäftsleitung mit, dass ich erneut schwanger bin. Sie gratulieren, und kurz darauf fällt die Frage: «Ah, und was ist mit eurer grossen Reise?» «Die machen wir natürlich trotzdem, einfach mit Baby.» Und dann kommen die ersten Bedenken und zwar gleich zwei auf einmal: eine neue Schwangerschaft und eine dreimonatige Reise nach Südostasien. «Du bist ja dann ab September in der Babypause.» «Wir müssen mit der Stellvertretung schauen.» «Bist du vor der Reise überhaupt wieder da?» Ich denke mir insgeheim: Ist es denn in den letzten Babypausen so schlecht gelaufen, dass ihr solche Bedenken habt? Und schürt das jetzt auch schon die Angst vor der Erreichbarkeit auf Reisen?

Aber ich sage stattdessen: «Hey, das ist doch kein Problem. Ich bin auch während der Babypause gut erreichbar. Ich werde immer im Teams antworten. Da brauchen wir keine grossen Übergaben, das mache ich dann einfach selbst.» Und genau das gilt für die Reise genauso. Denn wenn ich von zuhause aus genauso gut arbeiten kann wie im Büro, warum dann nicht auch von Thailand aus?

Ich stehe voll dahinter und bin wirklich gerne erreichbar, auch in der Babypause. Es fühlt sich für mich nicht wie ein Opfer an, sondern wie eine Entscheidung die mir den Wiedereinstieg erleichtert und die ich bewusst so treffe. In der Retro frage ich mich manchmal: Habe ich damit vielleicht eine Erwartung geschaffen, die andere Mütter weder leisten können noch wollen? Es gibt ein Phänomen, das Frauen im Job gut kennen: dieses automatische Kleinermachen, das Rechtfertigen, das Absichern. Nicht weil jemand es verlangt, sondern weil man es von sich selbst verlangt. Manche nennen es Impostor-Syndrom, andere nennen es einfach Alltag für Frauen in der Arbeitswelt. Ich kenne es jedenfalls gut.

Das Feedback von den anderen GL-Mitgliedern war dann übrigens komplett entspannt: «Wir sehen deine Remote-Work-Reise mal als Experiment.» Perfekt. Genau das wollte ich hören.

«Heart on one side. Growth on the other.» Gesagt, gedruckt, gepackt.

Mein Mann und ich sind seit sieben Jahren zusammen, seit einem Jahr verheiratet und haben drei Kinder. Als wir zusammengekommen sind, war Corona da und Reisen schlicht nicht möglich. Unsere Grosse kam 2021 auf die Welt, die Mittlere 2023 und letztes Jahr dann die Kleinste, vor lauter Babys war also auch da keine Zeit zum Reisen. Kurz bevor sie jetzt in den Kindergarten kommt, wollen wir das nachholen. Keine Kita, kein frühes Aufstehen, keine starren Zeiten. Also: drei Monate Südostasien: Thailand, Vietnam, Malaysia, Indonesien. Mit drei Kindern unter fünf Jahren. Und ja, wir sind beide berufstätig.

Und damit das funktioniert, braucht es die richtige Infrastruktur. Ich arbeite bei einem IT-Provider, die technische Infrastruktur ist wirklich das kleinste Problem. Wir arbeiten mit AVD, ich habe jederzeit Zugriff auf unser Corporate-Netz, dank MFA und Device- und Geo-Filter sicher, egal von wo. Ob ich in Baden oder in Vietnam einlogge, macht technisch keinen Unterschied. Der einzige echte Unterschied zu meinem normalen Alltag: Ich reduziere auf 40 Prozent, damit ich die Zeit mit der Familie wirklich geniessen kann und nicht nur physisch anwesend bin während ich gedanklich schon im nächsten Meeting stecke. Kein Büro, kein Pendeln, mehr Familie.

Was bleibt dann noch zu organisieren? Die Vorbereitung hält sich ehrlich gesagt in Grenzen. Klare Zeitfenster für Erreichbarkeit definieren, die Zeitverschiebung einplanen, sicherstellen dass WLAN und Technik funktionieren. Das war’s eigentlich. Wer Remote Work wirklich lebt, weiss: Der Ort ändert sich. Die Arbeit nicht.

Wenn ich erzähle, was wir vorhaben, kommen die Reaktionen verlässlich in zwei Varianten. Entweder: «Oh wow, das ist mutig!» Oder: «Ist das nicht mega stressig?» Ich verstehe die Frage. Es wird nicht alles reibungslos laufen. Aber ich freue mich, auf die Zeit mit meiner Familie, auf dieses Abenteuer, auf das Arbeiten mit einem anderen Rhythmus.

Und auf etwas, das viele vergessen zu erwähnen: Wenn ich nach drei Monaten zurückkomme, werde ich kein überfülltes Postfach vorfinden. Keinen Berg an Dingen die liegengeblieben sind. Keinen Wiedereinstieg der sich anfühlt wie ein Kaltstart. Weil ich nie ganz weg war. Genau das ist der Unterschied zwischen Ferien und Remote Work. Und genau deshalb machen wir es so.

Ich werde berichten.

2 Kommentare

  1. Avatar von Zehnder Dani
    Zehnder Dani

    Sehr cool was ihr da macht Nicole.
    Ich wünsche euch eine schöne Familienzeit auf Reisen.
    Liebe Gruess Dani

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