Der Boiler ist kalt. Fünf Personen haben geduscht, jemand hat den Abwasch gemacht, und trotzdem ist niemand schuld daran. Willkommen zu Hause.
Seit über einer Woche wohnen wir als fünfköpfige Familie bei meinen Eltern. Unsere Wohnung ist untervermietet, wir fliegen erst am 8. los. Also haben sie uns kurzerhand aufgenommen. Sie geniessen die Zeit mit ihren Enkelkindern und wir haben ein Dach über dem Kopf.
Die Ferien beginnen damit für uns eigentlich schon früher. Die Kinder werden mehr bespasst als sonst, und wenn es schnell gehen muss, ist da jemand, der kurz das Baby «wägelet».
Trotzdem: sieben Personen in einer 4.5-Zimmer-Wohnung. Konfliktpotenzial inklusive. Der kalte Boiler hat mich direkt zurück ins Jahr 2006 katapultiert, als wir ihn regelmässig leer gebadet haben. Sorry Mami und Papi, aber ihr wolltet die grosse Eckbadewanne.
Dabei ist mir wieder aufgefallen, wie schnell man zurück in alte Muster fällt. Man bleibt ein bisschen Kind, egal wie alt man ist oder ob man selbst schon Kinder hat. Zu Hause bei den eigenen Eltern rutscht man automatisch in diese Rolle. Und wie das so ist mit Eltern: Sie haben Erwartungen. Und die können ziemlich nerven.
Ja, ich weiss, dass man nach dem Duschen lüften muss. Der Geschirrspüler hat offenbar eine ganz bestimmte Einräumlogik, und das Flusensieb im Tumbler sollte jedes Mal gereinigt werden. Wirklich. Jedes Mal. Gleichzeitig ist es hier nie still. Wenn die Kinder gerade nichts sagen, übernehmen meine Eltern.
Und trotzdem ist es schön hier.

Es ist immer jemand da, der einspringt. Die Kinder verbringen viel Zeit mit ihren Grosseltern und man merkt, wie diese Beziehung von Tag zu Tag enger wird. Und das Essen? Casa Mama ist zuverlässig auf Sterne-Niveau. Selbst DSDS am Samstagabend macht plötzlich wieder Spass, einfach weil es an früher erinnert.
Man sagt ja, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen. Unser Dorf heisst Omi und Opi. Sie haben keine Sekunde gezögert, uns aufzunehmen. Für die Kinder gibt es hier eigene Kleider, eigenes Spielzeug, fast alles ist schon da. Und was fehlt, wird organisiert. Sie merken, dass beide Kinder noch gerne im Wagen sitzen, und kaufen einen Thule-Anhänger. Sie wissen, dass Kind 1 nur Spaghetti Carbonara isst, und kochen genau das. Jedes Mal.
Und obwohl sie so sehr an ihren Enkelkindern hängen, lassen sie uns drei Monate gehen. Weil sie wissen, wie wertvoll diese Zeit für uns ist.
Ich habe einmal gehört, dass man an der Beziehung von Grosseltern zu ihren Enkelkindern sieht, wie gerne sie selbst Eltern waren. Wenn ich das hier so erlebe, weiss ich wieder, was für tolle Eltern wir haben. Nicht perfekt. Mit Diskussionen und unterschiedlichen Meinungen. Und ein Mehrgenerationenhaus wird das hier ganz sicher nicht. Aber die Liebe ist immer da.
Vielleicht ist das auch gar nicht entscheidend. Am Ende geht es einfach darum, dass man immer wieder zurückkommt. Dass man sich gegenseitig nervt und trotzdem weiss, dass das nichts ändert.
Ich frage mich manchmal, ob das bei uns auch so sein wird. Ob unsere Kinder irgendwann genervt die Augen verdrehen, wenn ich ihnen erkläre, wie man den Geschirrspüler richtig einräumt. Und ob sie trotzdem anrufen, wenn sie ein Dach über dem Kopf brauchen.
Ich hoffe es.
Und wenn wir zurückkommen, wissen wir jetzt schon, wer uns am Flughafen abholen wird. Mit dem Hinweis, dass der Boiler drei Monate lang immer warm war.

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