Ich bin in der luxuriösen Lage, relativ viel Homeoffice machen zu können. Das liegt vor allem daran, dass ich in der IT arbeite und meine Arbeit grösstenteils digital stattfindet. Ich brauche weder Maschinen noch einen bestimmten Arbeitsplatz. Ein Laptop, Internet und meine Mitarbeitenden zum Austauschen reichen meistens aus.
Gleichzeitig bin ich Teil der Geschäftsleitung eines IT-Unternehmens und verantworte dort unter anderem die Softwareentwicklung. Ich sitze also nicht einfach irgendwo im Homeoffice vor mich hin, sondern habe Verantwortung für Team, Projekte und Ergebnisse. Als Mitarbeitende und Führungsperson merke ich dabei immer wieder, dass das Thema Homeoffice erstaunlich schnell zu Diskussionen führt. Wie in vielen anderen Unternehmen ist auch bei uns nicht ganz unumstritten, wie viel Homeoffice sinnvoll ist.
Ich möchte hier keinen klassischen Artikel über Homeoffice Pro und Contra schreiben. Davon gibt es wirklich schon mehr als genug. Mich interessiert vielmehr, warum dieses Thema so zuverlässig zwei Lager produziert. Für mich persönlich ist Homeoffice wichtig. Und ich höre die Stimmen schon:
«Homeoffice ist nicht zum Chillen da.»
«Im Homeoffice wird doch nur Haushalt gemacht.»
«Wenn die Leute zu Hause sind, arbeiten sie nicht richtig.»
Die Realität ist aber etwas komplexer. Ich gebe es offen zu: Während ich im Homeoffice arbeite, läuft bei mir auch der Haushalt mit. Ich stelle zwischendurch eine Waschmaschine an oder räume den Geschirrspüler aus. Nicht als Ersatz für Arbeit, sondern weil sich der Alltag zu Hause nun einmal anders organisiert als im Büro.
Und ja, es ist für mich essenziell, dass ich das so machen kann. Nicht weil ich weniger arbeiten will, sondern weil es mir überhaupt erst ermöglicht, mein Pensum zu halten. Ich weiss natürlich, dass das nicht für alle Berufe funktioniert. Meine Berufswahl habe ich ursprünglich nicht danach ausgerichtet, aber ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, dass wir heute technisch so arbeiten können.
Ja Chef, sorry für die Ehrlichkeit. Ich weiss, das wird dir vermutlich nicht gefallen. Wobei «Chef» in meinem Fall eher unsere Geschäftsführung ist, denn ich sitze selbst in der Geschäftsleitung.
Homeoffice ermöglicht mir, meine Arbeit und meine Familie miteinander zu vereinbaren. Meine Kinder müssen nicht bis am Abend in der Betreuung bleiben und gleichzeitig kann ich mein Arbeitspensum weiterführen. Ausserdem bin ich für die Kita erreichbar und im Notfall in fünf Minuten dort, wenn ein Kind früher abgeholt werden muss.
Trotzdem gibt es auch bei uns Stimmen im Unternehmen, die Homeoffice deutlich kritischer sehen. Ich höre dann Dinge wie: Man wisse nicht mehr, wer wann arbeitet, woran gerade gearbeitet wird oder ob überhaupt seriös gearbeitet wird. Im Büro könne man wenigstens schnell rüberlaufen und etwas klären. Für mich sind diese Aussagen etwas erstaunlich, weil wir eigentlich schon seit Jahren mit Tools arbeiten, die genau solche Probleme lösen sollen.
Kommunikation läuft heute grösstenteils digital. Wir arbeiten mit Microsoft Teams. Dort sieht man Präsenzstatus, führt Meetings, organisiert Aufgaben über Planner und dokumentiert Gespräche. Manchmal finde ich das sogar transparenter als im Büro. Dort sitzt zwar jemand am Platz, aber man weiss trotzdem nicht unbedingt, woran diese Person gerade arbeitet.
Auch unser Bürokonzept hat sich verändert. Bei uns hat längst nicht mehr jeder Mitarbeitende einen fixen Arbeitsplatz. Man schnappt sich morgens einen Caddy und sucht sich einen freien Platz. Das Büro ist damit viel stärker ein Ort für Austausch und Zusammenarbeit geworden. Acht Stunden ruhig an einem Platz sitzen und konzentriert arbeiten kann ich ehrlich gesagt auch zu Hause.

Mit Microsoft Places gehen wir sogar noch einen Schritt weiter. Damit lässt sich koordinieren, wann es sinnvoll ist, gemeinsam im Büro zu sein, und wann konzentriertes Arbeiten von zu Hause besser funktioniert.
Die Technologie ist also längst vorhanden. Die eigentliche Herausforderung ist eine andere. Sie ist weniger technisch als kulturell. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es gar nicht in erster Linie um Tools oder Technik geht. Der Unterschied liegt eher darin, wie Arbeit im eigenen Alltag eingebettet ist.
Viele der kritischen Stimmen kommen von Menschen, die zu Hause keine zusätzliche Verantwortung haben. Das ist kein Vorwurf, sondern einfach eine andere Realität. Wenn man keine Kinder oder Pflegeverantwortung hat, endet der Arbeitstag oft tatsächlich, sobald man das Büro verlässt. Bei mir beginnt dann meistens die zweite Schicht.
Gleichzeitig erfüllt das Büro für viele Menschen auch eine wichtige soziale Funktion. Mein Mann zum Beispiel geht genau aus diesem Grund sehr gerne ins Büro. Er schätzt den Austausch mit seinen Mitarbeitenden, die spontanen Gespräche und die gemeinsamen Pausen. Für mich ist diese Rolle des Büros deutlich weniger zentral, weil mein Alltag ausserhalb der Arbeit ohnehin schon sehr sozial und ziemlich laut ist.
Für mich ist Homeoffice deshalb kein Luxus. Es ist eine Voraussetzung dafür, dass ich meine Arbeit und meine Familie überhaupt miteinander vereinbaren kann. Gleichzeitig weiss ich als Führungskraft natürlich auch, dass Flexibilität nur funktioniert, wenn Vertrauen, Transparenz und Kommunikation stimmen.
Vielleicht geht es deshalb gar nicht um die Frage «Homeoffice oder Büro». Es geht eher darum, dass Menschen Arbeit unterschiedlich erleben. Für die einen bedeutet Flexibilität Freiheit. Für die anderen bedeutet sie Kontrollverlust.
Transparenz und Kommunikation sind deshalb wahrscheinlich wichtiger als der Ort, an dem gearbeitet wird. Darum ja, Chef, wenn mein Status um 11:15 Uhr kurz violett ist, dann hänge ich wahrscheinlich gerade Wäsche auf. 😉

Schreibe einen Kommentar