Stell dir vor, du bewirbst dich als Reinigungskraft in einem Hotel und landest plötzlich im hoteleigenen Schönheitswettbewerb. So geschehen einer jungen Dame aus dem Personal, die vor zwei Tagen von den Hotelgästen zur Miss Songkran 2026 gekürt wurde. Songkran findet immer vom 13. bis 15. April statt und läutet mit Wasserschlachten, Schaumpartys und viel Musik das neue Thai-Jahr ein.

Unsere Grosse nennen wir spasseshalber immer die Prinzessin auf der Erbse. Dass sie sich nicht direkt selbst für den Schönheitswettbewerb nominiert hat, war ein kleines Wunder. Sie war jedenfalls Super-Fan und will das «auf jeden Fall auch machen, wenn sie gross ist». Die Feministin in mir hat Gänsehaut gekriegt, aber hey, Hauptsache strahlende Kinderaugen, oder?

 

Sanuk – wenn Arbeit Freude machen muss

Thailand mit kleinen Kindern ist absolut empfehlenswert. Alle haben immer Freude an den Kids, sind hilfsbereit und freundlich. Was aber nicht einfach nette Art ist, sondern Teil ihrer Arbeitsphilosophie: Die Thais haben sogar ein eigenes Wort dafür. «Sanuk» (สนุก) bedeutet, dass sich etwas gut anfühlen soll. Auch die Arbeit.

Wir sind hergekommen mit der Annahme, ach, das wird alles gemütlich und easy go-with-the-flow. Falsch gedacht. Die Thais lieben klare Strukturen und Regeln, weil hier nicht gerne diskutiert wird. Kritik und Diskussionen werden als unverschämt empfunden und deshalb vermieden. Klare Abläufe helfen dabei. Konkret heisst das: Die Hüpfburg wird genau von 17:30 bis 18:30 aufgestellt und danach abgebaut. Hat zu einigen Tränen bei unserer Mittleren geführt: «Ich soooo truuurig, weil Hüpfburg weg isch.» Die Rutschbahn ist nur von 14:00 bis 15:00 geöffnet und die Bötchen fahren während dieser Zeit halt nicht.

Klingt alles sehr starr. Aber wenn man mal drin ist, klappt es erstaunlich gut. Es gibt nichts zu diskutieren und man stellt auch keine Fragen, auf die die Antwort «Nein» sein könnte. Das sagen Thais nämlich sehr ungern. Wenn du einen Thai etwas fragst und er einfach nett lächelt und nichts weiter passiert, dann ist die Antwort ziemlich sicher «Nein».

 

Der Tuschtusch-Vorfall

Tränen gabs aber nicht nur bei der Hüpfburg. Auch unsere Grosse wurde Opfer. Von einem Vogel. Besser gesagt: Der Vogel wollte ihr den Snack aus der Hand picken, ist ihr dann aber direkt ins Gesicht geflogen. Ich konnte nicht mehr vor Lachen. Meine Tochter darauf nur: «Ich find das gar nöd lustig, hau ab du Schiss Vogel!» Und ich musste noch mehr lachen.

Die lokale Vogelart hier ist der Common Myna. Die hüpfen mehr auf dem Boden rum als sie fliegen, sind frech und intelligent. Sie durchschauen die Touris sofort und wissen, dass es hauptsächlich bei den Kids viel zu essen gibt. Füttern sollte man sie trotzdem nicht.

Nach dem ersten Schrecken hat sich meine Tochter einen coolen Namen für diesen Vogel ausgedacht: «Tuschtusch». Ihr könnt sagen, was ihr wollt. Wenn es ein Kinderbuch über diesen Vogel gäbe, wäre das sein Name und alle würden sagen: Wie passend!

 

Von schwarzen Löchern zu Tsunamis

Apropos Quasselstrippe. Unsere Grosse ist eine und das lässt sie uns hier wieder besonders spüren. Neben «schwarzen Löchern» das neue Hype-Thema: Tsunamis.

Khao Lak war 2004 die vom Tsunami am stärksten betroffene Region. Zehntausende Menschen haben hier ihr Leben verloren. An den Stränden hängen überall Muschelketten an den Bäumen. Erinnerungen an die Verstorbenen. Fast jeder Einheimische hier hat eine direkte Geschichte mit dem Tsunami.

Wir erklären unseren Kindern immer alles direkt und ehrlich, wenn sie Fragen haben. So auch bei diesem Thema. Ganz schlechte Idee. Wirklich.

«Mami, hesch du scho mal en Tsunami gseh?»
«Wie hoch isch de Tsunami?»
«Ischer so gross wie’s schwarze Loch?»
«Wie lang isches scho her?»

Leute, ich kann nicht mehr. Dieses Kind quasselt mich noch zu Tode. Aber hey, sie kann dafür jetzt richtig gut tauchen. Und wenn ich meinen Kopf unter Wasser halte, höre ich wenigstens das Gequatsche nicht mehr.

Nächstes Mal: Wird sich zeigen. Bei drei Kindern muss man nichts planen, das Leben schreibt die Geschichten von alleine.

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