«Päge, de Bäse.» «Was?» «De Bäse! Wo isch de?»

Man kennt diesen Moment. Den kurzen, unangenehmen Moment, in dem man genau weiss was kommt, bevor man es ausspricht.

«Scheisse. Im Flugi. Ufem Vordersitz.»

So endet die Geschichte des Sapu Lidi. Man schleppt einen balinesischen Palmrippenbesen um die halbe Welt. Wird dafür belächelt, bestaunt und manchmal einfach nur fragend angeschaut. Übersteht jeden Check-in, jede Sicherheitskontrolle und jeden skeptischen Mitreisenden. Und lässt ihn dann im allerletzten Moment auf dem Vordersitz des Flugzeugs liegen. Wir haben eine Vermisstmeldung gemacht. Aber seien wir ehrlich: Den hat die Fluggesellschaft weggeworfen. Wir hoffen einfach, dass das kein böses Omen ist und sind uns einig, dass wir unsere Kontakte in Ubud anschreiben und sie bitten uns einen neuen zu schicken.

 

Willkommen in der Schweiz

Die Heimreise ist dann eine eigene Übung. In der Schweiz gibt es keine Taxis, die spontan mit drei Kindern, drei Koffern und dem gesamten Gepäck einer fünfköpfigen Familie losfahren, schon gar nicht mit Kindersitzen, und die Autos sind sowieso zu klein. «Uber» wartet auch nicht einfach so vor der Ankunftshalle, sondern irgendwo weiter weg, also laufen wir mit Kind und Kegel durch den Flughafen, schwitzend, erschöpft, schiebend.

Und als der Fahrer dann partout nicht verstehen will, dass nur mein Mann mitfährt und ich mit den Kids den Zug nehme, beginnt eine längere Kommunikation per Handzeichen. Nach gefühlt zwanzig Minuten gegenseitigem Unverständnis steigen wir dann endlich in unsere jeweiligen Transportmittel.

Der Zug ist dann dafür eine Wohltat. Die Mittlere schaut aus dem Fenster, zeigt auf den Wald zwischen Zürich und Baden und fragt ganz ernsthaft: «Isch das de Dschungel?»

 

Nichts Neues im Westen

Der Weg vom Bahnhof nach Hause fühlt sich an wie immer. Alles ist genau so, wie wir es verlassen haben. Die gleichen Einkaufsläden, die gleiche Plakatwerbung, der gleiche Stadt-Geruch. Ich weiss bis heute nicht, ob mich das beruhigen oder frustrieren soll, beides vielleicht, aber es zeigt vor allem eines: Die Welt dreht sich weiter, auch wenn man nicht schaut.

Was sich allerdings verändert hat, ist die Temperatur in unserer Wohnung. Die Hitzewelle hat keine Ausnahme bei uns gemacht. 30 Grad empfangen uns, und wir packen in Unterwäsche aus. Das ist keine Übertreibung, das ist Selbstschutz.

 

Mein Putzfimmel macht Ferien

Übrigens, und das ist ein echter Game Changer für alle, die je nach einer langen Reise heimgekommen sind: Schmutzwäsche vor der Heimkehr in einer Wäscherei waschen lassen. Man kommt nach Hause, alles ist sauber und man muss nur noch verstauen. Ich werde das nie wieder anders machen.

Nach der zweiten Tropennacht bestellen wir eine weitere Klimaanlage. Es ist so heiss, dass vernünftige Entscheidungen kaum möglich sind. Also treffen wir die vernünftigste überhaupt: Chaos liegen lassen und in die Badi gehen. Die Kids können ihre frisch erworbenen Schwimmkünste in der heimischen Badi vorführen, und es fühlt sich ehrlich gesagt mehr nach Bali-Vibes an als nach Heimkehr-Pflichtprogramm. Es war so heiss, dass sogar mein Putzfimmel Pause gemacht hat. Das sagt wirklich alles.

 

Der Norden ruft, und zwar dringend

Zum Glück geht es bald in den Norden, wo es kühler ist und unser Hirn wieder funktioniert. Bitter nötig, denn so wie wir auf das Schiff und die Vorbereitung dafür losgegangen sind, darf es wirklich nicht weitergehen.

Was genau ich damit meine? Das erzähle ich beim nächsten Mal.

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