Anlegen, Ablegen, Hinlegen. Das, erklärt uns der Chief of Security während unserer Schiffsbrücken-Tour scherzhaft, sei die einzige Aufgabe des Kapitäns auf einem Schiff. Ich finde diese Jobbeschreibung ausgesprochen sympathisch und frage mich kurz, ob ich das direkt so in meinen Alltag übernehmen kann.
Passenderweise legen wir einen Tag später in Singapur an, und damit endet unsere Zeit auf dem Schiff. Das Fazit der ganzen Familie: Cool, machen wir wieder! Wir haben neue Bekanntschaften gemacht, unser neustes Lieblingslied heisst «Der Pirat» und wir sind nun alle nautische Experten. Oder glauben das zumindest. Auf Wiedersehen, deutsche Rentner-Bubble, es war schön mit euch.

Singapur: Schön. Teuer. Nochmals: Teuer.
Ich brauche keine vier Tage, um zu diesem Urteil zu kommen: Singapur ist teuer. Richtig, richtig teuer. So teuer, dass wir an ungefähr zehn Momenten pro Tag sagen «crazy, das isch ja tüürer als diheime», und das ist kein Kompliment.
Aber gut, wir hatten bis jetzt günstig gelebt, also dürfen wir uns das leisten. Zum Beispiel eine Seilbahnfahrt für 80 Franken. Die Aussicht vom höchsten Punkt Singapurs, dem Mount Faber mit seinen atemberaubenden 106 Metern über dem Meer, war tatsächlich schön. Aber wir wohnten im 57. Stock mit direktem Blick auf die gesamte Marina Bay, inklusive dem Marina Bay Sands Hotel, das aussieht wie ein Schiff, das auf drei Hochhäusern gelandet ist und beschlossen hat, dort zu bleiben. Jeden Abend, wenn die Kinder im Bett lagen, standen mein Mann und ich auf dem Balkon mit einem Schlummi in der Hand und haben einfach geschaut. Manchmal reicht das vollkommen.

Automatisiert. Fast. Irgendwie. Na ja.
Singapur wirkt beim ersten Blick futuristisch, automatisiert, durchgeplant. Beim zweiten Blick merkt man, dass es überall noch eine Person braucht, die nochmals von Hand nachkontrolliert. Was das System effizient machen soll, macht es dadurch doppelt so langsam.
Bestes Beispiel: der Zoll. Pässe scannen, Foto machen, Fingerabdruck, alles automatisch, aber die Interfaces sind so unklar, dass niemand auf Anhieb weiss, wo genau was hingehört. Und wer mit fünf Personen einreisen will, erfährt erst vor Ort, dass das System maximal vier auf einmal schafft. Wir müssen uns aufteilen, zur Freude des gesamten Zoll-Teams, das mit uns gemeinsam etwas überfordert wirkt.

Irgendwie passt das zu einer Stadt mitten in der Transformation. Singapur hat einen 50-Jahres-Masterplan für die Stadtentwicklung, der dank AI nun natürlich komplett anders aussieht als geplant. Es bleibt spannend. Die U-Bahn hingegen funktioniert tadellos: Kreditkarte hinhalten, abrechnen lassen, weiterfahren. So soll das sein.

Ozeanarium: ja, Seilbahn: nein, T-Rex: diskutabel.
Mein Mann und ich sind uns in der Rückschau nicht ganz einig über Singapur. Er findet es einen soliden Zwischenstopp, ich auch, aber mit einem Vorbehalt: Wirklich authentisch hat es sich nicht angefühlt. Sehr international, sehr westlich, sehr sauber, sehr sicher. Für Grossstadt-Einsteiger ideal, aber wer das echte, etwas chaotische Asien sucht, ist in Hongkong besser aufgehoben.
Was wir ohne Zögern empfehlen: das Ozeanarium, am besten unter der Woche. Die Aquarien sind so gross, dass man darin tauchen kann. Und natürlich die Gardens by the Bay, inklusive Jurassic-Park-Sonderausstellung, bei der unsere Kinder kollektiv beschlossen, dass der T-Rex echt ist. Ich sage: völlig verständlich, der war wirklich gut gemacht.

Vier Tage Beton reichen. Langkawi, wir kommen.
Wir haben gegessen, gestaunt und geschwitzt. Jetzt zieht es uns wieder raus: weniger Beton, mehr Palmen, weniger Masterplan, mehr Spontanität.
Langkawi, bist du bereit für uns?

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