Langkawi ist wild, und damit meine ich nicht den «rimini-party-promoter-wild», sondern die Tatsache, dass wir seit unserer Ankunft jeden Tag ein anderes Tier in unserem Zimmer hatten. Die Insel liegt im Nordwesten Malaysias, direkt an der Grenze zu Thailand, eingebettet in tropischen Regenwald, und was im Dschungel lebt, schaut halt gelegentlich rein. Das haben wir spätestens in der ersten Nacht verstanden, als uns eine Kakerlake von zehn Zentimeter begrüsste, die da sass als hätte sie den Zimmerservice bestellt und auf uns gewartet. Das Zimmer war übrigens nicht schmuddelig. Das ist schlicht und einfach Langkawi.

Was sich in den Folgetagen fortgesetzt hat: Tausendfüssler im Bad, Geckos auf der Couch und ein Waran vor unserer Terasse. Meine Tochter rannte zu mir, völlig aufgeregt: «Lueg Mami, riesigi Eidechse!» Technisch nicht ganz falsch. Ein Waran ist immerhin eine Echse, nur dass dieses Exemplar die Grösse eines mittelgrossen Hundes hatte und aussah als wäre es sich dessen sehr bewusst.
Hotelparadies mit Gepäck
Die Anlage selbst schaut aus wie das Bild, das man sich vorstellt, wenn man «tropisches Resort» googelt und dann wirklich hofft, dass es in echt auch so aussieht: Palmen, kleine Teiche, saftig grüne Wiesen, zwei riesige neue Pools und ein tollen Wasserspielplatz. Alles ein bisschen verträumt, ein bisschen unwirklich, und dank Off-Season hatten wir den Pool praktisch für uns allein, was bedeutete, dass Lisa Einhorn endlich feierlich eingeweiht werden konnte. Wir waren Könige!

Besonders dankbar bin ich im Nachhinein für die zwei Sturm- und Regentage, an denen niemand irgendwo hin konnte und niemand etwas unternehmen wollte. Pure Entschleunigung. Manchmal schenkt einem das Wetter genau das, was man sich selbst nicht erlauben würde zu nehmen.
Direkt bei der Hotelanlage haben wir auch zugeschaut, wie Männer Kokosnüsse ernten: barfuss, ohne Sicherung, in einem Rhythmus, der aussieht als wäre es das Normalste der Welt, eine senkrechte 15-Meter-Palme hochzuspazieren. Wir haben es auch versucht und sind natürlich alle kläglich gescheitert, obwohl sogar die Kinderfüsse mittlerweile Hornhaut haben vom vielen Barfuss-Laufen. Für’s Palmen-Klettern brauchen wir noch etwas Übung.

Eid al-Adha, oder: warum unsere Wäsche in Einzelhaft war
Was wir in unserer Reiseplanung grosszügig übersehen hatten: Wir waren über Eid al-Adha auf Langkawi, das höchste Fest im Islam, das dieses Jahr vom 25. bis 27. Mai gefeiert wurde. Eid al-Adha erinnert an die Bereitschaft Abrahams, seinen Sohn zu opfern und wird mit Gebet, Gemeinschaft, Festessen und dem rituellen Schlachten eines Tieres begangen, dessen Fleisch zu gleichen Teilen behalten, verschenkt und gespendet wird. Ein Fest, das wirklich Bedeutung hat, das spürt man.
Was man ebenfalls spürt: dass in dieser Zeit ein Grossteil des öffentlichen Lebens schliesst. Darunter der Wäscheservice im Dorf, auf den wir fest gezählt hatten. Also sind wir ins Hotel marschiert und haben den hoteleigenen Service genutzt: 200 Franken, was weh tut, aber okay, was soll man machen. Was uns zwei Tage später zurückgegeben wurde, war jedes einzelne Wäschestück sorgfältig in Plastik eingeschweisst. Soviel zum Thema Umweltbewusstsein auf Reisen. Wir haben die Plastikberge wortlos entgegengenommen und uns schon ein bisschen geschämt.

Der Supermarkt, die Katzen und das Rätsel der Babynahrung
In der Nähe des Hotels gab es einen Supermarkt, den wir mit der naiven Hoffnung betraten, Babynahrung für das Baby zu finden. Was wir stattdessen fanden: fünfzig verschiedene Nuggi-Sorten, vier Katzen, die fest in die Infrastruktur des Ladens integriert schienen und niemanden dabei störten, sowie eine Auswahl an Produkten, bei der man lange nicht sicher war, was genau man da in der Hand hält. Babynahrung: nicht vorhanden. Auf Nachfrage beim Personal wo man dann Baby-Nahrung bekommen könnte, war die einfache Antwort: «Not here.».
Das beschreibt Langkawi eigentlich ganz gut: Die Menschen sind freundlich, hilfsbereit in dem, was ihr Bereich ist, aber was ausserhalb davon liegt, tangiert sie herzlich wenig. Kein böser Wille, einfach eine andere Vorstellung davon, wo die eigene Zuständigkeit aufhört.

Mangroven, Seeadler und ein Krokodil, das wir nicht gesehen haben
Langkawi ist UNESCO Geopark und hat einen der ältesten Regenwälder der Welt, älter als der Amazonas. Verrückt, oder? In den Mangrovenwäldern leben Warane, Süsswasserkrokodile, riesige Fledermäuse und Langschwanzmakaken.
Unsere Bootstour durch die Mangroven hat dieses Versprechen auf ihre eigene Art eingelöst: Krokodile und Warane liessen sich nicht blicken, dafür kreisten Weissbauch-Seeadler über uns und pickten sich Fische aus dem Fluss. Die Makaken haben sich gegenseitig Flöhe rausgelesen und ganz genau hingeschaut ob jemand von den Touris was Leckeres dabei hat und die Fledermäuse hingen in riesigen Gruppen in den Höhlen. Kilim Geoforest Park: Du hast uns gut gefallen!

Langkawi, aber ehrlich
Langkawi ist wunderschön, aber gleichzeitig spürt man, dass die Insel gerade irgendwo zwischen sich selbst und ihrer Tourismus-Version steht. Kulturell ist sie ein echter Mix aus malaiischen, chinesischen und hinduistisch geprägten Einflüssen, den man an Tempeln, Märkten und vor allem an der Küche merkt, die je nach Strassenseite anders riecht. Der Geopark-Status schützt die Mangroven, aber die Resorts wachsen trotzdem, und man fragt sich gelegentlich, was von dieser Ursprünglichkeit bleibt.

Wir sind mit Koffer und Sonnencreme eingefallen, haben Plastikberge produziert und ziehen weiter. Das darf man ruhig auch kritisch betrachten, finde ich. Ändert nichts daran, dass es ein ausserordentlich schöner Fleck Erde ist.
Tschüss, Waran. Auf nach Bali!
Am letzten Morgen tauchte er nochmals auf, unser Waran, als hätte er gewusst, dass wir abreisen. Kurzer Blick, dann ist er weiterspaziert, ohne sich nochmals umzudrehen. Wir haben unsere Koffer gepackt, die Kinder ein letztes Mal in den Pool geworfen und Langkawi verabschiedet.
Jetzt geht es weiter. Bali, wir kommen.

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