«Wenn ich ganz fest mit dem Paddel winke, weisst du, dass man mich retten muss», meint mein Mann ganz ironisch, als er mit dem kleinen Kajak aufs Meer hinausfährt. Ich winke kurz zurück und denke mir nichts weiter dabei. Eine Stunde später sollte ich mir diesen Moment nochmals vor Augen führen, allerdings mit einem ganz anderen Gesichtsausdruck. Aber dazu kommen wir noch.

Doch zuerst zum Schauplatz: Wir sind in Sanur, an der Küste von Bali, und hier ist es nicht mehr ganz so spirituell wie in Ubud.
Ebbe, Fische und Noppenseesterne
Dafür ist das Meer hier unglaublich. So krass habe ich die Gezeiten noch nie erlebt. Am Morgen ist da nur Meer und Wellen, und am Nachmittag zieht sich das Wasser so weit zurück, dass man kilometerweit bis zum Riff hinauslaufen kann. Das ist kein Zufall, denn vor Sanur liegt ein Korallenriff, das die ganze Bucht wie ein natürlicher Wellenbrecher abschirmt. Drinnen in der Lagune ist das Wasser deshalb meist ruhig wie ein See, während es draussen am Riff ordentlich rauscht. Bei Ebbe legt das Meer dann den ganzen Lagunenboden frei, und genau dort findet man die richtigen Schätze: Gespensterkrebse, Muscheln, Meeresschnecken und riesige Noppenseesterne.

Und wenn dann noch kein Wind geht, ist genau diese Lagune spiegelglatt und hat exakt die richtige Höhe für die Kids. Ich würde sogar sagen, dass Sanur ihnen den Spass am Meer und am Strand erst richtig beigebracht hat. Nirgendwo bisher konnten wir Strand und Meer so unkompliziert geniessen wie hier. Jeden Morgen haben wir eine Strandmuschel geschnappt und uns den Tag über dort gemütlich eingerichtet.

Das Geheimversteck, das Clownfische hat
So gemütlich diese Routine war, an einem Tag haben wir sie trotzdem unterbrochen und sind zur Blue Lagoon gefahren. Nach einem kurzen Aufstieg über Felsen öffnete sich dort plötzlich ein richtiges Geheimversteck, eine kleine Bucht, die man von aussen gar nicht vermutet hätte.
Wir haben geschnorchelt, und ich bin mit der grossen Tauchmaske losgeschwommen. Auf einmal war ich mitten in einem riesigen, bunten Fischschwarm. Es hat mich richtig berührt, wie schön das war: so still unter Wasser, und gleichzeitig so voller Leben. Clownfische, Papageienfische, alles war da.
Und als dann sogar meine Grosse mit mir in die Fluten gestürzt ist und wir gemeinsam auf Fischsuche gegangen sind, war für mich einfach alles perfekt. Das war einer meiner schönsten Tage dieses ganzen Abenteuers.

Männer, Kajaks und grenzenlose Selbstüberschätzung
So friedlich wie an der Blue Lagoon ging es aber nicht überall zu. Zurück in Sanur stellt das Hotel allen Gästen Kajaks zur Verfügung, mit denen man hinausfahren und wieder zurück zum Ausgangspunkt paddeln kann. Gemäss den Poolguides kommt man damit sogar bis zum Riff. Mein Mann war voller Tatendrang, und ja, es war windig. Und ja, vielleicht hätte er kurz checken sollen, ob er auch wieder problemlos zurück ans Land kommt …
Eine Stunde später stapft er ohne Kajak und komplett verschwitzt zu unserem Platz zurück: «Soooo en Scheiss, bi nüm weg cho, es hetti mi usezoge, mach ich niemeh, gefährlich, sicher nid mit de Chind.»
Ich muss ehrlich sein, ich musste wirklich fest lachen. In seiner Verzweiflung hat er das Kajak einfach seinen eigenen Weg einschlagen lassen und ist an der anderen Seite des Strands ausgestiegen. Das Kajak selbst hat er dann in einem zweiten Anlauf entlang der Küste zurückgeholt. Was soll ich sagen: Männer, grenzenlose Selbstüberschätzung.
Mit ruhiger See war es dann nämlich wirklich toll, oder wie meine Mittlere die ganze Zeit gesungen hat: «Wir fahren mit dem Boot, wir fahren mit dem Boot!»

Götterbotschaften und ein Drachen, der nicht will
Nachdem das Kajak-Abenteuer überstanden war, ging es an Land gemütlicher weiter. Sanur hat nämlich auch wirklich schöne Velowege direkt am Strand entlang, die man sich mit den Fussgängern teilt und auf denen man aufpassen muss, niemanden anzufahren oder selbst angefahren zu werden.
Wenn man so am Strand entlangfährt, fällt sofort noch etwas anderes auf: Der Himmel über Sanur ist voll mit Drachen. Und das sind nicht die einfachen aus Plastik, wie wir sie zu Hause kennen, sondern richtige Kunstwerke, oft meterlang, in Form von Fischen oder Vögeln, mit kunstvollen Mustern und langen, wehenden Schwänzen.
Weshalb das so ist, haben wir uns natürlich auch gefragt. Drachenfliegen hat auf Bali eine tiefe spirituelle Bedeutung, die Drachen gelten als eine Art Botschaft an die Götter, ein Dankeschön für die Ernte und eine Bitte um Harmonie. Ganz in der Nähe von Sanur findet im Sommer jeweils das grosse Bali Kite Festival statt, bei dem ganze Dorfteams mit riesigen, kunstvoll gestalteten Drachen gegeneinander antreten. Kein Wunder also, dass gerade jetzt überall fleissig geübt wird.
Wir haben uns natürlich auch selber an einem Drachen versucht. Das Ding überhaupt stabil in der Luft zu halten, war deutlich schwieriger als gedacht, aber es hat riesig Spass gemacht.

Rostiges Velo, künstlicher Sandkasten, echte Kinder
Zurück auf dem Boden: Diese Velowege haben wir natürlich gleich selbst getestet. Nach dem zweiten Tag in Sanur haben wir ein komplett verrostetes Velo inklusive Kindersitz gemietet, um einkaufen zu gehen. Die Mission war erfolgreich, also haben wir sie am nächsten Tag gleich wiederholt. Und obwohl uns dabei die verrostete Velokette kaputtging, haben wir es am Tag darauf trotzdem geschafft, als komplette Family of five, mit Baby in der Trage und den beiden Grossen auf dem Velo, eine grosse Tour zum Icon Bali zu machen.
Icon Bali ist noch ziemlich neu, das Einkaufszentrum wurde erst 2024 eröffnet, und man merkt das auch. Über 200 Läden, ein IMAX-Kino und sogar ein eigener Markt mit balinesischem Streetfood verteilen sich auf mehrere Stockwerke, alles direkt am Strand und komplett im Freien gebaut. Trotzdem ist es innen angenehm kühl. Für uns als Familie war aber sowieso nur ein Ort wirklich relevant, nämlich der Indoor-Spielplatz mit künstlichem Sandkasten. Als ob wir nicht die ganze Zeit am Strand gewesen wären. Ich sag’s euch, Kinder, ey!
Apropos Spielplatz: Sehr entspannt waren auch die Restaurantbesuche bei der Location neben unserem Resort, mit einem wirklich coolen, integrierten Spielplatz. Und selbst wenn auf dem grossen Strandplatz vorne eine Show läuft, brauchen wir zur Unterhaltung keine Pixibücher vorzulesen. Danke, Costa Restaurant.

Bis bald, du schöner Strand
Am Ende hat uns Sanur so in seinen Bann gezogen, dass selbst die einzige echte Nahtoderfahrung der ganzen Reise unserer Begeisterung keinen Abbruch tat. Im Gegenteil: Mein Mann erzählt die Kajak-Geschichte inzwischen fast stolz, und mit jedem Mal wird sie ein bisschen dramatischer. Fazit von Sanur: Wir lieben dich, du schöner Strand, und wir kommen ganz bestimmt wieder.
Für uns geht es jetzt weiter nach Jimbaran, für ein paar Tage. Dort wartet dann allerdings nicht mehr so viel Strand, sondern wieder der volle Kinder-Wahnsinn mit Wasserspielplatz und Kids Club.
Unsere Reise neigt sich also langsam dem Ende zu, bald heisst es Asien tschüss sagen. Mit Freude und ein bisschen Wehmut, aber ganz zu Ende ist es noch nicht. Auf dem Weg in den Norden dürfen wir nämlich nochmal den deutschen Rentnern hallo sagen, also bleibt gespannt.


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