Ich gehöre nicht zum Team Einzelkämpfer. Ganz im Gegenteil. Ich arbeite gern mit Menschen, im Office genauso wie zu Hause. Aber es gibt wenig, das ich so mühsam finde, wie Aufgaben, die von mehreren Personen erledigt werden, obwohl eine einzige völlig ausreichen würde. Stichwort: Zu viele Köche verderben den Brei.

Ich bin sehr für Aufteilen, Zuständigkeiten klären, erledigen lassen und danach präsentieren. Das heisst aber auch: Verantwortung abgeben und dann damit leben, wie es jemand anders gemacht hat.

Aktuellstes Beispiel: unser Parkplatz, aka Parkplatz-Gate 25/26. Wir mieten einen Parkplatz in einer Garage in unserer Nähe. Dort gibt es viele Parkplätze, die von unterschiedlichen Verwaltungen vermietet werden. Eine Freundin von mir hatte dort einen deutlich günstigeren Parkplatz, den sie nicht mehr brauchte. Sie hat uns als Nachmieter angemeldet.

Also: Sie kündigt ihren Parkplatz. Wir kündigen unseren. Wir übernehmen ihren. Klingt nach einem Ein-Personen-Job. Vielleicht nach einem Zwei-Personen-Job.
Aber sicher nicht nach einem Acht-Personen-Projekt. Ich habe zu meinem Mann im Vorfeld gesagt:

Glaub mir, das klappt nie.

Ich hatte recht!
Person 0 hat unsere Kündigung erhalten, schriftlich bestätigt und war damit aus der Geschichte raus.
Person 1 hat den neuen Mietvertrag erhalten, arbeitet dort aber nicht mehr. Der Vertrag ging verloren. Wir wurden von der automatischen Nummernerkennung gesperrt und konnten nicht mehr in die Garage fahren.
Person 2 hat uns zwar wieder freigeschaltet, aber nicht als Mieter erfasst. Es wurde auch keine Miete abgebucht.
Person 3 hat uns erfasst, aber nicht als Nachmieter unserer Freundin. Sie bekam mehrere Betreibungsandrohungen, weil sie angeblich ausserterminlich gekündigt und keinen Nachmieter gestellt hatte. (Wir SIND die Nachmieter.)
Person 4 hat es nach vier Mails, drei Telefonaten, zwei Betreibungsandrohungen und zwei unterzeichneten Mietverträgen endlich verstanden. Jetzt erhalten wir einen neuen Vertrag, gültig ab dem richtigen Datum. Und meine Freundin hoffentlich, Zitat von Person 4, endlich die «offizielle Haftentlassung».

Alle sind erleichtert. Alle sind zufrieden. Seit dem 1. November waren über acht Personen (uns eingeschlossen) an diesem Projekt «Parkplatz» beteiligt. Was ich damit sagen will: Mehr Leute machen etwas nicht automatisch besser. Manchmal machen sie es einfach komplizierter.

Nicht alles ist ein Zwei-Mann-Job: Klettern schon!

Und genau hier wird es spannend, auch in meinem Job. Denn ich arbeite in der Software-Entwicklung ständig mit mehreren Menschen an einer Sache:

  • Peer Reviews
  • Pull Requests
  • Retros
  • Abstimmungen
  • Vier-Augen-Prinzip

Auch dort sind mehrere Personen beteiligt. Und trotzdem funktioniert es. Oft sogar genau deshalb. Warum also ist Zusammenarbeit im Job häufig ein Erfolgsmodell und im Alltag so oft ein Chaosfaktor? Vielleicht nicht, weil das eine «Beruf» ist und das andere «echtes Leben». Sondern weil die Strukturen unterschiedlich sind.

Im Job:

  • Rollen sind klar
  • Verantwortung ist definiert
  • Übergaben sind bewusst
  • Fehler sind eingeplant

im Alltag:

  • Zuständigkeiten verschwimmen
  • niemand fühlt sich wirklich verantwortlich
  • Kommunikation passiert zufällig
  • Automatisierte Systeme denken nicht mit (KI/AI lassen wir mal aussen vor)

Vielleicht ist das Problem also nicht die Anzahl Menschen sondern die fehlende Klarheit. In der IT teilen wir Verantwortung, aber wir verlieren sie nicht. Im Alltag teilen wir sie oft so lange, bis niemand sie mehr trägt. Der Parkplatz war kein Teamprojekt. Er war ein Zuständigkeitsproblem. Nicht jede Aufgabe ist ein Zwei-Mann-Job. Und vieles braucht kein Team. Sondern einfach eine Person, die wirklich zuständig ist und Verantwortung übernimmt.

Update 1. April 2026: Nein, das ist kein Scherz, Parkplatz-Gate geht weiter. Wegen unserer Reise wohnen wir gerade bei meinen Eltern, weshalb ich die Kids mit dem Auto aus der Kita holen musste. Ich wollte aus der Garage fahren: Nummer nicht erkannt. QR-Code ungültig. Hinter mir: eine wütende Autofahrer-Schlange. Nach einem Anruf bei der Hotline der aktuelle Stand: Das Parkhaus hat uns aus dem System geworfen. Warum? Weiss niemand. Im Mail-Verlauf sind jetzt zwei weitere Personen im CC, vermutlich Person 5 und 6. Es bleibt spannend! Zum Glück brauchen wir die nächsten drei Monate unser Auto nicht. Das ist also ein Problem für Zukunfts-Nicole.

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