Ab April wird’s spannend: Wir brechen für drei Monate unsere Zelte ab und gehen mit unseren Kids auf grosse Reise.

Das klassische «Vor den Kindern gehen wir noch reisen»-Ding haben mein Mann und ich nie gemacht. Irgendwie hat es sich nicht ergeben, und als wir dann in der Kinderplanung waren, kam grad Covid. Da haben wir die Langeweile halt anders genutzt. 😉
Und jetzt, kurz bevor die Grosse in den Kindergarten kommt, wagen wir es: Mit Flugzeug, Schiff und TukTuk an die andere Seite der Welt.

Egal, wem wir davon erzählt haben, die Reaktion war fast immer gleich:

Oh krass, mit so kleinen Kindern? Seid ihr wahnsinnig? Das wird anstrengend. Seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?

Was soll ich sagen: Wir sind eigentlich ziemlich entspannt. Bis auf die Blackbox «erster Flug überhaupt» mache ich mir erstaunlich wenig Sorgen. Wir gehen ja nicht in den Busch und backpacken auch nicht wild herum, sondern sind ganz bewusst in guten, sehr kinderfreundlichen Hotels unterwegs. Sehr touristisch also. Wären mein Mann und ich allein, hätten wir die Reise wahrscheinlich individueller geplant. Aber wir machen sie ja für uns als Familie. Da darf es auch bequem sein. Happy Kids – happy Parents, nöd wahr?

Und warum sind wir jetzt schon so entspannt? Eigentlich ziemlich simpel: Weil unsere Kinder nicht das Problem sind. Nicht, weil sie immer brav wären. Nicht, weil sie perfekt funktionieren. Und sicher nicht, weil ich eine Super-Mum mit «de bravschte Chinde vo de Wält» bin. Ich komme regelmässig an meine Grenzen. Aber eigentlich nie wegen den Kindern selbst.

Es ist das ganze Drumherum, das Kinderhaben so mühsam macht. Mich nervt, dass ich bei der Kinderarztpraxis 15 Minuten in der Warteschlaufe hänge. Ich spüre die verständnislosen Blicke, wenn ich mit drei Kleinkindern am Freitagmorgen einkaufen gehe. Ich hasse die endlosen Wäscheberge und das Putzen. Ich verstehe nicht, warum ich Rezepte in der Apotheke nicht digital vorweisen kann, sondern alles ausgedruckt werden muss. Ich hasse, wie teuer die Kita ist und dass wir dafür keine Subventionen erhalten.

Nein, es sind nicht die Kids. Es ist das System. Und ich merke das immer wieder. Mein Mann und ich haben eigentlich ein gutes Modell gefunden. Beide arbeiten wir 80 Prozent, jeder hat einen Mami- beziehungsweise Papitag. Die restlichen Tage sind die Kinder in der Kita oder bei Omi und Opi. Das funktioniert, auf dem Papier, ziemlich gut.

Aber ohlala, diese Mamitage. Weil wir beide viel arbeiten, fällt an diesem einen Tag alles zusammen: Wäsche waschen, putzen, einkaufen, kochen, Zeugs entsorgen.
Ohne Kinder schon mühsam, mit Kindern der Endgegner. Und dann fühlt es sich plötzlich so an, als wären die Kids das Problem. Dabei sind sie es gar nicht. Wenn ich einfach nur Zeit mit ihnen verbringen kann, Spielplatz, schwimmen, Zoo, irgendetwas, das Spass macht, dann ist es plötzlich leicht. Obwohl sie klein sind, mitten in der Autonomiephase, mit Babybedürfnissen und Chaos und Emotionen.
Das Zusammensein an sich finde ich schön. Anstrengend, ja. Aber nicht das, was mich kaputt macht.

Und genau das erhoffe ich mir von unserer Reise. Dass all das, was im Alltag so viel Platz nimmt, plötzlich nicht mehr da ist: keine Wäscheberge, kein Putzen, kein Kochen-Müssen. Wir nehmen, was uns schmeckt. Wir schlafen in Betten, die jemand anders macht. Das Badezimmer wird sauber, ohne dass ich es anfassen muss.

Fällt weg: Sammeln, stapeln, Kartonsammlung verpassen, fluchen, wieder warten.

Ich weiss sehr gut, in welcher luxuriösen Lage wir sind, dass wir uns das leisten können. Und ich bin dankbar, dass wir mit unseren Kindern solche Erinnerungen schaffen dürfen. In der Einladung zu unserem Abschieds-Fest habe ich geschrieben:

Mer gönd uf Reise, oder wie’s mit chline Kids heisst: Same shit, different place!

Ich habe aber nochmals darüber nachgedacht, und eigentlich stimmt das nicht. Es ist eben nicht der gleiche Shit. Also ja, es wird Meltdowns geben. Diskussionen übers Essen. Und sicher auch Momente, in denen ich mich frage, was wir uns da eigentlich überlegt haben. Aber ohne Wäscheberge, ohne piepsenden Geschirrspüler und ohne Warteschlaufenmusik. Das ist schon mal ein Upgrade.

Abenteuer Jebels-On-Tour, wir kommen.

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