Mein Ziel ist es, jeden Morgen schon «fertig» zu sein, bevor der Wahnsinn losgeht.
Das heisst: angezogen, Zähne geputzt und vielleicht sogar schon einen Kaffee getrunken, bevor alle anderen aufwachen. Dafür stehe ich früher auf. Normalerweise klappt das ganz gut. Heute hat es nicht funktioniert.

Es ist 07:00 Uhr und egal, in welchen Raum ich gehe, ich sehe Dinge, die erledigt werden müssen. Ich gehe ins Bad, um mir die Zähne zu putzen. Das Erste, was ich sehe: Zahnpasta von gestern im Lavabo. Also kurz putzen. Ich gehe nach unten ins Kleiderzimmer. Dort steht der volle Wäschekorb. Also nehme ich ihn mit runter in die Waschküche. Dort: Wäsche aus dem Tumbler, die zusammengelegt werden muss. Und nasse Badewäsche von gestern auf dem Boden. Also Waschmaschine an, wieder hoch.

Im Kleiderzimmer lege ich Wäsche zusammen, während Kind 2 neben mir steht und wie eine kaputte Schallplatte wiederholt:

Mami. Mami. Mami.

Im Moment lässt sie am Liebsten alles von mir machen.

Dann ihr erster Meltdown, als Papa sie mit dem Baby in der Trage nach oben trägt, um sie ready für den Tag zu machen. Okay. Egal. Ich will jetzt erst mal Kaffee. Ab in die Küche. Und ich sehe: Der Geschirrspüler muss ausgeräumt werden. Der nasse Putzlappen vom Boden liegt noch in der Ecke. Und der Dreck, der gestern dorthin gewischt wurde, auch.

Geil.

Ich wollte einfach nur angezogen sein. Vielleicht sogar schon mit Kaffee. Stattdessen bin ich um 07:00 Uhr schon komplett genervt und der Tag hat noch nicht mal richtig begonnen. Dabei ist heute eigentlich Papitag. Und es ist meine letzte Woche Babypause. Eigentlich arbeite ich schon länger wieder. In jeder freien Minute, in der niemand etwas von mir will. Um Zeit aufzuholen. Damit unser Baby nach meiner Babypause und vor unserer grossen Reise (dazu später) nicht noch für zwei Monate in die Kita muss. Das lohnt sich einfach nicht. Weder organisatorisch noch emotional.

Papitag heisst eigentlich: Papi ist zuständig. Und ich sollte mich voll auf die Arbeit konzentrieren können. Aber das kann ich nicht, wenn ich in jedem Raum, den ich betrete, Dinge sehe, die gemacht werden müssten. Ich kann mich davon nicht einfach abgrenzen. Das ist kein Schalter, den ich umlege. Es ist eher wie ein permanentes Hintergrundrauschen im Kopf.
Und dann darf ich mir natürlich anhören, dass mein Mann keinen Bock hat, dass ich am Morgen schon wieder «sini Eier schliife». Und ich verstehe das sogar. Wirklich. Ich verstehe, dass ich nerve. Dass es anstrengend ist, wenn ich schon wieder anfange, mich aufzuregen, kaum dass der Tag überhaupt begonnen hat.

Aber ich kann nicht anders. Ich kann die Sachen nicht einfach stehen lassen.
Ich kann sie nicht auf später verschieben. Wenn ich sie stehen lasse, stehen sie nicht einfach da. Sie schreien mich an. Im Kopf. Die ganze Zeit. So wie im Moment diese TikTok-AI-Früchte, die mir ständig auf der FYP begegnen:

Wasch mich endlich!
Räum mich auf!
Kümmer dich um mich!

@whatsnew126 your fruits are talking to you #ai #lifehacks ♬ original sound – Whats New

Ich glaube, das ist der Punkt, den man von aussen oft nicht versteht:
Es geht nicht um Ordnung. Und nicht um Perfektion. Es geht darum, dass mein Kopf keinen freien Platz hat, solange diese Dinge nicht gemacht sind. Also mache ich sie. Nicht, weil ich will. Sondern weil ich sonst nicht denken kann. Nicht arbeiten. Nicht ruhig sein. Und ja, das wirkt manchmal wie unnötiger Stress. Wie selbstgemacht. Aber für mich fühlt es sich nicht nach einer Wahl an.
Es fühlt sich nach innerem Druck an, der erst nachlässt, wenn es erledigt ist. Vielleicht ist das genau dieser unsichtbare Teil von Mental Load, über den man so schwer sprechen kann. Und ja: Homeoffice am Papitag ist einfach keine gute Idee. Ich kann mich von den Kids nicht abgrenzen. Mit Baby geht Homeoffice gut.
Mit Kleinkindern und Papa nicht.

Also bin ich eigentlich schon seit Wochen wieder am Arbeiten.
Nicht offiziell. Nicht sauber getrennt. Sondern irgendwo zwischen Stillen, Wäsche, Termine vorbereiten, E-Mails beantworten, Boden wischen und Gedanken sortieren. Ich bin nicht ganz im Job. Ich bin nicht ganz in der Pause. Ich bin in diesem Dazwischen. Und vielleicht ist genau das das Anstrengendste daran.

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