Die Einreise nach Bali ist seit ein paar Jahren kein spontanes Abenteuer mehr. Man tippt die Passnummern dreimal ab, schickt Selfies und alle Flugtickets für Ein- und Ausreise mit, und zahlt obendrauf noch eine Touristenabgabe von rund 8 Franken pro Person. Auch für Kinder und für Babys.
Der Grund dafür ist nicht schwer zu verstehen: 2024 kamen über 6 Millionen Touristen nach Bali, bei einer einheimischen Bevölkerung von nur 4,4 Millionen Menschen. Das Tourismusgeld fliesst, aber der Preis ist hoch: Verkehrschaos, Müllberge, Farmland, das Hotelbauten weicht. Wir sind dabei selbstverständlich Teil des Problems. Denn wer mit «Grab» vom Flughafen Denpasar nach Ubud fährt und die ersten zwanzig Minuten damit verbringt, sich an der Türe festzuhalten, während Tausende Roller links und rechts vorbeifahren, der ist nicht Beobachter dieser Situation, sondern sitzt mittendrin.

Ankommen im Dschungel, oder: die Ananas um Mitternacht
Was das alles relativiert, ist die Ankunft spätabends in unserem Resort. Wir waren die einzigen anreisenden Gäste und wurden direkt mit einer aufgeschnittenen Ananas, voll mit Saft und Strohhalm, begrüsst. Die einzelnen Villen sind in den Hang gebaut, verbunden durch steile Treppen, und weil wir viel Gepäck hatten, trugen Mitarbeiterinnen des Hauses alles hinunter. Man weiss in diesem Moment nicht so recht, wo man hinschauen soll, und helfen wäre auch irgendwie falsch gewesen. Es war so ein Moment, in dem man einfach dankbar nickt und gleichzeitig nicht so recht weiss, wohin mit dem schlechten Gewissen.
Am nächsten Morgen dann die Aussicht: purer Dschungel, grüne Hügel so weit das Auge reicht, Vogelgeräusche von überall. Das Gefühl, aus einem Ghibli-Film hineingestolpert zu sein. Für diese Natur kommen wir her und sie hat abgeliefert.

Götter, Opfergaben und der Takt des Alltags
Bali ist im ansonsten muslimisch geprägten Indonesien die einzige Insel mit hinduistischer Bevölkerungsmehrheit. Man muss das aber eigentlich nicht wissen, um es zu merken.
Die ersten zwei Tage mussten wir ständig aufpassen, nicht auf eine Opfergabe zu treten. Die kleinen Palmblattkörbchen mit Blüten, Reis und Räucherstäbchen liegen überall: vor Haustüren, auf Treppenstufen, am Strassenrand und manchmal mitten auf dem Gehweg. Dazu kommen moosbedeckte Wächterfiguren an Eingängen und immer wieder Menschen in traditionellen Gewändern, die irgendwo auf dem Weg zu einer Zeremonie sind.
Fast täglich scheint irgendwo ein Fest stattzufinden. Spiritualität wirkt hier nicht wie eine Touristenattraktion oder hübsche Kulisse, sondern wie etwas, das tatsächlich zum Alltag gehört.

Ubud zwischen Tempeln und Smoothie Bowls
In der Innenstadt von Ubud spürt man davon allerdings weniger. Ubud ist laut, touristisch und der Verkehr lässt kein entspanntes Flanieren zu. Zwischen Tempeln, Souvenirläden und Wechselstuben reiht sich ein Hipster-Café ans nächste. Vor einem Eingang werden gerade Opfergaben ausgelegt, ein paar Meter weiter posiert jemand für Instagram.
Die Influencer-Szene ist, das Gerücht stimmt, gross. Wobei wir nicht mit dem Finger auf andere zeigen wollen. Schliesslich waren wir mit Kinderchaos, Kinderwagen und reichlich Gepäck genauso Teil des Ganzen.

Der Zehen-Zwick für Hanuman
Der Monkey Forest ist Pflichtprogramm, und das aus gutem Grund. Der Wald und die Tempel darin spielen eine wichtige Rolle im spirituellen Leben der Balinesen. Die Langschwanzmakaken gelten als heilig und als Nachfahren oder Begleiter des Affengottes Hanuman. Der spirituelle Hintergrund ist also durchaus beeindruckend.
Die praktische Erfahrung sah dann so aus, dass ein junger Makake beschloss, den grossen Zeh meines Mannes genauer zu untersuchen und kurz hineinzwickte. Kleinkinder sind in jeder Spezies irgendwie gleich.

Die Spinne, die uns alle überragt hat
Bei den Reisterrassen zeigte sich dann der eigentliche Star des Tages. «Mami, Spinne!», rief die Mittlere.
Normalerweise bedeutet das, dass irgendwo ein Tier von der Grösse eines Reiskorns entdeckt wurde. Diesmal nicht. Zwischen zwei Bäumen hing ein Netz, darin eine Spinne von der Grösse zweier Handteller. Selbst unser lokaler Fahrer blieb stehen und schaute nach oben. Bali erinnert einen gelegentlich sehr direkt daran, dass «Dschungel» kein Marketingbegriff ist.
Die Reisterassen selbst sind schön, das schon. Das eigentliche Spektakel ist aber die Infrastruktur drumherum: An den Terrassenkanten hängen extra aufgestellte Schaukeln, die einzig und allein dafür existieren, dass man sich darauf fotografieren lassen kann. Wir haben der Szene zugeschaut. Und dann natürlich auch unser Handy gezückt.

Fünf Tage Dschungel, null Erleuchtung
Die Spiritualität in Bali hat übrigens keinerlei Einfluss auf die Streitfreudigkeit unserer zwei grossen Kinder gehabt. Ich weiss nicht, was in der Luft war, aber die haben nuuur gestritten. Vielleicht braucht Erleuchtung einfach mehr als fünf Tage.
Die Küche dagegen war ein Volltreffer. Wir haben indonesisch gegessen, die Kinder Pizza und Pasta, alle waren zufrieden, und das ist auf einer Reise mit drei Kindern kein kleiner Satz.
Nach fünf Tagen im Landesinneren wollen wir wieder ans Meer. Wir tauschen Dschungel gegen Küste. Mal schauen, was da so kreucht und fleucht.


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