Dekadent wie wir sind, haben wir das grosse Glück, vor unserer grossen Asien-Reise ab April noch eine Woche Skiferien mit meinen Eltern zu verbringen. Wir machen das schon seit Jahren zusammen und es ist eigentlich eine klassische Win-win-Situation: Mein Mann und ich kommen trotz der Kiddos zum Ski- bzw. Snowboardfahren. Für meine Eltern lohnt sich die Ferienwohnung und sie geniessen die Zeit mit den Enkelkindern. Und die Kiddos finden es sowieso grossartig, dass ständig jemand da ist, der mit ihnen etwas macht.

Aber Butter bei die Fische: Skiferien mit kleinen Kindern sind nicht ohne. Kleiner Spoiler vorweg: Es hat alles viel besser geklappt als gedacht und wir hatten richtig viel Spass. Soweit die Theorie, schauen wir uns die Praxis an.

Obwohl ich immer gern gut vorbereitet bin, habe ich keine Checkliste zum Packen. Ich habe vieles im Kopf und denke mir meistens, dass ich im Notfall alles auch vor Ort kaufen kann. Dieses Mal musste ich genau ein Pack Eufrasia-Augentropfen nachkaufen, weil das Baby plötzlich tränende Augen hatte. Das werte ich als Erfolg. Gold wert sind Grosseltern, die mitdenken und schon mal alles fürs Frühstück und Abendessen einkaufen. Dafür habe ich mit den Kids eine Lasagne vorbereitet, die wir am zweiten Abend mit Genuss verputzt haben. Die Kinder freuen sich, wenn sie mithelfen können, und wir haben gleich zweimal ein gutes Essen. Jeder hilft mit, dort, wo es für ihn am einfachsten ist, und am Ende profitieren wieder alle. Nice!

Für die Kids braucht es sonst eigentlich gar nicht so viel: ein paar vertraute Spielsachen für die gute Laune, Gummibärli (Danke Omi) und Skikleidung im Zwiebelprinzip mit Thermo-Wäsche und Onesie. Das hat super funktioniert, alle waren warm eingepackt, und wenn es doch zu warm wurde, durfte auch mal ohne Jacke geübt werden. Am Abend sind sie meistens direkt von der Skikleidung ins Pischi gewechselt. In Sachen Kleidung ist es wie immer: Wir hatten viel zu viel dabei.

Also eigentlich waren wir bereit, zumindest dachten wir das. Endlich angekommen, alles ausgepackt, die Kiddos komplett hyped und ich schaue mit leicht gemischten Gefühlen auf die kommende Woche. Unsere Grosse hatte direkt am nächsten Tag ihren ersten Ski-Schnuppertag. Darum haben wir am Abend vorher schon alles parat gemacht. Stillkind muss mit auf die Piste, die Mittlere geht nirgends ohne Mami hin und die Grosse will Support beim ersten Skitag. Also den grossen Backpack und den Thule-Anhänger ins Auto gehievt und mit Kind und Kegel inklusive Omi und Opi zur Gondel.

Mit Kind und Kegel

Wir waren stolz auf uns: 9:00 Uhr, alle ready und noch 45 Minuten Zeit. Ja vowäge: Jacke der Grossen vergessen und gleichzeitig gab es wegen des enormen Schneefalls einen riesigen Rückstau bei der Gondel, weil nur bis zur Mittelstation gefahren werden konnte. Omi hat zum Glück im Sportgeschäft sofort eine Jacke ausgeliehen, während wir vor Ort die Skibillette gekauft haben. Bis wir endlich in der Gondel waren, war ich schon leicht erschöpft.

Oben angekommen wollte das Baby stillen, es gab aber keine bequeme Sitzmöglichkeit, Kind 2 hatte Hunger und war müde, also der ganz normale Wahnsinn. Die Grosse hat ihren ersten Skitag trotzdem wunderbar gemeistert und war unglaublich stolz auf sich. Für sie war schnell klar: weitermachen ja, aber bitte nur am Morgen.

Unsere Idee war, Halbtage zu buchen. Die Skischule meinte jedoch: Geht nicht, entweder ganzer Tag oder gar nicht, sonst sei sie «noch nicht so weit». Schade, aber zum Glück hat Omi das halbe Montafon abtelefoniert und eine Alternative gefunden, bei der das möglich gewesen wäre. Also am nächsten Tag auf den anderen Berg. Dort sind die Skischulkinder im Akkord gefahren, hoch und runter wie am Fliessband, beeindruckend, aber für uns hat es sich aber nicht richtig angefühlt. Für unsere Zweite gab es keinen einfachen Übungshang, zum Schlitteln nichts und für uns war die Mini-Gondel mit dem Thule jedes Mal ein Kraftakt. Also haben wir entschieden, wieder in unser gewohntes Gebiet zurückzugehen. Ohne Skischule und ohne Stress.

Und was soll ich sagen: Die Grosse fährt plötzlich selbstständig, kann bremsen, macht Stammbögli und fährt Lift. Wir haben Blüemli-Slalomstangen geküsst, der Katze im Ziel High-Five gegeben und geschaut, wer schneller unten ist. Die Mittlere hatte ihre ersten Versuche auf Ski und Babymaus konnte direkt auf der Restaurantterrasse in der Sonne liegen. Wir konnten unsere Lieblingspiste fahren und waren trotzdem schnell wieder bei den Kids, um Omi abzulösen.

Es hat drei Tage gedauert, bis wir eingegroovt waren, aber dann war es einfach nur noch cool und alle hatten ihren Spass. Klar wäre die Skischule auch eine Option gewesen, aber ich bin überzeugt, dass unsere Grosse auch so in dieser Woche enorm viel gelernt hat, einfach weil sie Freude daran hatte. Ich glaube wirklich, dass Kinder alles lernen, wenn sie Spass haben, und dass zu viel Druck genau das kaputtmacht. Ich erinnere mich an ein Kind vom letzten Jahr, das den ganzen Morgen auf den Ski geweint hat und trotzdem immer wieder draufgestellt wurde. Das will ich meinen Kindern ersparen. Ich möchte, dass sie Wintersport mit etwas Schönem verbinden: mit Spielen, Gummibärli und Seich machen.

Und auch wir Erwachsenen haben viel gelernt: easy bleiben, dann sind es die Kinder auch. Adaptiv sein und Pläne über Bord werfen, wenn es nicht passt. Neue Lösungen ausprobieren (Omi kann jetzt übrigens Tragetuch binden). Manchmal ist die naheliegendste Lösung einfach die, die Spass macht, und der Rest kommt von allein.

Sehe ich das als Hauptprobe für unsere grosse Reise? Ja, auf jeden Fall, aber mit Schwierigkeitslevel 10/10. Unsere Reise schätze ich aktuell eher auf eine 5/10: weniger Kleidung, weniger Material, keine fixen Zeiten bei der Gondel und insgesamt viel mehr Go-with-the-flow. In der Retro komme ich darauf zurück.

Bis dahin: 5 weeks to go und es wartet noch sehr viel Vorbereitung auf uns. Generalprobe bestanden, nicht perfekt, aber mit viel Spass. Und genau so darf es ab April weitergehen!

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