Wenn ich noch einmal höre: «Es ist nur eine Frage der Organisation», dann raste ich aus. Ich BIN organisiert. Wirklich.
Ich führe ein Team, manage Projekte, koordiniere Termine und denke in Systemen. Bei meiner Arbeit in einem IT-Unternehmen genauso wie zu Hause mit meiner Familie.
Ich lebe mit Listen, nutze Apps, habe ein unterstützendes Umfeld und trotzdem komme ich regelmässig an den Punkt, an dem ich denke:
What the f***. Wann und wie soll das bitte alles gehen?
Nicht, weil ich schlecht bin. Nicht, weil ich chaotisch bin.
Sondern weil ein Leben mit drei Kindern, Verantwortung und Ambition manchmal einfach nicht aufgeht. Punkt.
Das hier ist kein Blog für Tipps & Tricks, keine Sammlung von Produktivitäts-Hacks, kein Bullet Journaling und kein weiterer Ort, an dem dir erklärt wird, wie du dich noch besser organisieren, planen oder optimieren kannst.
Nicht, weil diese Dinge grundsätzlich falsch sind. Sondern weil sie nicht meinem Naturell entsprechen. Und weil das, was für mich funktioniert, noch lange nicht für alle anderen passen muss. Ich glaube nicht an universelle Lösungen für Leben, die so unterschiedlich sind.
Und genau deshalb schreibe ich hier nicht über Methoden. Sondern über Realität. Gerade eben kam Kind 1 rein und sagte:
Mami, Kind 2 hat Seife aufs Bett gemacht. Aber ist nicht schlimm, wir haben es gleich wieder weggemacht.

Willkommen im echten Leben. Unterbrechung ist kein Ausnahmezustand. Sie ist der Normalzustand. Es geht nicht nur um Organisation. Es geht um eine komplett andere Arbeitsrealität, sobald man mit und rund um Kinder arbeitet. Man wird permanent unterbrochen. Pläne werden verschoben. Rhythmen entstehen und zerfallen zwei Tage später wieder.
Ja, Apps und Routinen helfen. Aber Kinder sind nun mal keine Prozesse. Sie sind Menschen mit eigenen Bedürfnissen, Stimmungen, Persönlichkeiten. Sie funktionieren nicht nach meinem Kalender und nicht nach meinem Projektplan.
Ah. Das ist also diese Fremdbestimmung, von der alle Eltern reden. Und sie kommt nicht nur durch meine Kinder. Sie kommt durch die Kita, durch Omi und Opi, die liebevoll hüten. Durch meinen Mann, der Dinge anders macht als ich und andere Prioritäten setzt.
Und sie kommt ganz massiv durch meinen Job als Führungskraft in einem IT-Unternehmen. Ein männlich geprägtes Umfeld. Eines, das mir Flexibilität gewährt, sie aber fast immer als etwas Besonderes markiert. Als etwas, das man erwähnt. Als etwas, das nicht selbstverständlich ist. Ich will meinen Job damit nicht anklagen. Ich mag ihn. Und ich weiss, dass vieles gut gemeint ist.
Aber genau solche Details zeigen, wie tief diese Denkweisen noch sitzen.
Und dann will man bei einer Stelle, die für Wiedereinsteiger:innen gedacht ist, auf Homeoffice verzichten, weil das Pensum «zu niedrig» ist. Nicht als Einzelfall, sondern als Beispiel dafür, wie gross die Lücke zwischen Anspruch und Realität noch ist. Genau hier liegt der Widerspruch: Wir reden von Vereinbarkeit, aber bauen Strukturen, die sie gleichzeitig erschweren.
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, um zu sagen, wer hier eigentlich schreibt.
Ich bin Nicole.
Ich bin kurz vor 40.
Ich habe drei Kinder mit meinem Mann.
Ich bin Führungskraft in der IT.
Und ich bin organisiert.
Dieser Blog ist kein Ort für bessere To-do-Listen. Er ist ein Ort für bessere Fragen. Wie führe ich, zu Hause und im Job, wenn ich mich selbst oft fremdbestimmt fühle?
Wie trete ich souverän auf, obwohl ich innerlich struggle? Warum lasse ich mich so schnell verunsichern? Warum vertraue ich meinem Bauchgefühl nicht, obwohl es mich bisher immer zuverlässig getragen hat?
«Kein Template für Working Mums» heisst für mich:
Ich kenne Systeme.
Ich kann Organisation.
Ich verstehe Struktur.
Und genau deshalb weiss ich:
Dieses Leben lässt sich nicht in eine Vorlage pressen.

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